Know-How

Der Unternehmensarzt zwischen Frankreich und Deutschland

Der deutsch-französische Manager Dominique Cherpin über Krisenmanagement in Tochtergesellschaften, kulturelle Unterschiede und warum schnelle Entscheidungen überlebenswichtig sind.

Wenn deutsche Mittelständler in Frankreich in Schwierigkeiten geraten, wird häufig ein Mann gerufen, der schnell handeln muss: Dominique Cherpin. Der Manager ist Gründer von vif-Management, einem deutsch-französischen Interim-Management-Unternehmen mit 50 erfahrenen Führungskräften.

Seine Spezialität: deutsche Tochtergesellschaften in Frankreich stabilisieren – und dabei sowohl das Unternehmen retten als auch die Interessen des Mutterkonzerns schützen.

Herr Cherpin, Sie werden gerufen, wenn es in einer französischen Tochtergesellschaft eines deutschen Unternehmens brennt. Was ist Ihre Rolle?

Wir sind so etwas wie die Notärzte für Unternehmen zwischen Frankreich und Deutschland. Wenn wir gerufen werden, ist die Situation meistens schon kritisch. Die Geschäftsführung vor Ort ist oft am Limit, manchmal kurz vor dem Burnout. Dann kommen wir als Interim-Manager und übernehmen operative Führungsmandate – oft direkt in der Geschäftsführung (Mandat).

Was passiert in den ersten Tagen?

Das Wichtigste ist, Vertrauen aufzubauen – sowohl bei den deutschen Gesellschaftern als auch bei den französischen Teams. Wir sprechen mit den Mitarbeitern, dem Management, den Banken und den Arbeitnehmervertretern. Wir analysieren die wirtschaftliche Situation und definieren sofort Prioritäten. Man könnte sagen: Zuerst stoppen wir die Blutung.

Arbeiten Sie eher für die französische Tochtergesellschaft oder für den deutschen Mutterkonzern?

Beides. Unser Auftrag ist meistens klar: die französische Tochter zu stabilisieren, aber gleichzeitig die Interessen des deutschen Mutterhauses zu schützen.

Das bedeutet häufig, eine Balance zu finden. Wir müssen Lösungen entwickeln, die wirtschaftlich sinnvoll sind und gleichzeitig die Risiken für den Konzern begrenzen.

Was sind die größten Herausforderungen?

Neben den wirtschaftlichen Problemen ist es oft die kulturelle Dimension. Deutsche Unternehmen sind häufig sehr strukturiert und entscheidungsorientiert. In Frankreich spielen dagegen soziale Aspekte, Diskussionen und Verhandlungen eine größere Rolle.

Wenn man diese Unterschiede nicht versteht, entstehen schnell Missverständnisse.

Wir arbeiten deshalb bewusst mit deutsch-französischen Managementteams. Unsere rund 50 Manager kennen beide Systeme und können zwischen den Kulturen vermitteln.

Welche Rolle spielen Arbeitnehmervertretungen?

Eine sehr große. In Frankreich ist der soziale Dialog zentral. Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften müssen früh eingebunden werden.

Wir führen deshalb viele Gespräche – transparent und respektvoll. Wenn die Mitarbeiter verstehen, dass es um die Zukunft des Unternehmens geht, lassen sich oft konstruktive Lösungen finden.

Wie reagieren deutsche Gesellschafter auf Krisen in Frankreich?

Viele sind zunächst überrascht, wie komplex ein Restrukturierungsprozess sein kann. Das französische Arbeitsrecht und die sozialen Strukturen unterscheiden sich stark von Deutschland.

Unsere Aufgabe ist deshalb auch, Brücken zu bauen. Wir erklären den deutschen Eigentümern die französische Realität – und den französischen Teams die Erwartungen des Mutterkonzerns.

Wann gilt ein Einsatz für Sie als erfolgreich?

Erfolg bedeutet nicht immer nur, ein Unternehmen vollständig zu retten. Manchmal geht es darum, eine Tochtergesellschaft neu auszurichten oder strukturiert zu verkleinern.

Wichtig ist, dass am Ende eine klare und nachhaltige Lösung entsteht – für das Unternehmen, für die Mitarbeiter und für den Konzern.

Was treibt Sie persönlich an?

Ich arbeite seit vielen Jahren im deutsch-französischen Umfeld. Mich fasziniert diese Kombination aus Wirtschaft, Strategie und Kultur.

Wenn man es schafft, zwei unterschiedliche Unternehmenswelten zusammenzubringen und eine Krise zu lösen – dann ist das eine sehr erfüllende Aufgabe.

ZUR PERSON

Dominique Cherpin ist Mitgründer von www.vif-management.com (vif Gruppe), einem deutsch-französischen Interim-Management-Unternehmen.

Das Unternehmen unterstützt vor allem deutsche Mittelstandsgruppen mit Tochtergesellschaften in Frankreich, wenn diese vor wirtschaftlichen oder strategischen Herausforderungen stehen.

Die Manager von vif-Management sind keine klassischen Berater.

Sie übernehmen operative Führungsverantwortung in Unternehmen, stabilisieren Organisationen und setzen Restrukturierungsstrategien direkt im Management um – stets mit Blick auf die Interessen der deutschen Gesellschafter und die Besonderheiten des französischen Marktes.

Die Strukturen von vif Solutions begleiten seit über 20 Jahren erfolgreich Unternehmen und öffentliche Institutionen auf dem deutschen und dem französischen Markt.

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Ihre Kontaktperson

DIRECTEUR ASSOCIÉ | VIF MANAGEMENT

Dominique Cherpin